Ein lautloser Dialog im Bildhaueratelier

Beim Gang durch das Bildhauereiatelier, welches von Fritz Sill angeleitet wird, fällt mein Blick auf eine Tonarbeit. Diese ist offensichtlich noch in Bearbeitung, denn eine durchsichtige Folie soll sie wohl vor dem Trocknen schützen. Doch wenn ich diese nüchterne Sichtweise beiseite lasse und einen Moment im Spiel mit Assoziationen zulasse, stellt sich mir die Frage, ob dieses altmeisterliche Plastizieren vielleicht selbst vor dem Erstarren und Altern bewahrt werden soll. Und schließlich stellt sich der Gedanke ein, dass wir Menschen schon seit Jahrtausenden räumlich gestalten und erst kürzlich begonnen haben, 3D-Drucken dazu zu sagen und dass es eine notwendige und alterungsresistente Fähigkeit ist, Formen aus dem Reich der Ideen in die Wirklichkeit zu übersetzen. Der nächste Gedanke fliegt mich etwas lyrisch an und weckt das Bedürfnis, das zur Schau Gestellte mit allen Sinnen zu entdecken: Der Anblick der zarten und anmutigen Züge des Antlitzes der Plastik unter der mit angesammelter Kondensfeuchtigkeit versehenen Hülle, ruft den Eindruck von Lebendigkeit des Gestalteten hervor. Man möchte es wenigstens kurz mal berühren, um es besser zu begreifen. Eine überraschende Beobachtung beendet meine Assoziationskette abrupt: Eine kleine Hand tastet sich in mein Blickfeld und drückt mit ihrem Zeigefinger in den Ton unter der Folie. 


Im Bildhauereiatelier. Photo: T.Gruber.

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